Parodontitis

Die Wirkung von rotem LED-Licht: Was die Wissenschaft wirklich zeigt.

Die Wirkung von rotem LED-Licht: Was die Wissenschaft wirklich zeigt.

Rotes LED-Licht ist aus der modernen Hautpflege kaum noch wegzudenken und wird zunehmend auch im Zusammenhang mit der Mundgesundheit diskutiert. Doch was zeigt die wissenschaftliche Forschung tatsächlich – und wo ist die Studienlage noch nicht abschließend? Dieser Beitrag ordnet die aktuelle Evidenz sachlich ein, getrennt nach Hautpflege und zahnmedizinischer Forschung.

Rotes Licht und seine Wirkung auf Zellen – das Grundprinzip.

Rotes LED-Licht dringt tiefer in Gewebe ein als kurzwelligeres Licht und wird von bestimmten Zellbestandteilen aufgenommen, was den Energiestoffwechsel der Zelle beeinflussen kann. Dieses Prinzip wird als Photobiomodulation bezeichnet. Eine aktuelle Übersichtsarbeit zur Photobiomodulation in der Dermatologie (Hernández-Bule et al., 2024) fasst den Forschungsstand zur Wirkung von rotem und nahinfrarotem Licht auf die Haut zusammen: Untersucht werden unter anderem Effekte auf Hautverjüngung, Wundheilung und Narbenbildung, vermittelt über die Beeinflussung zellulärer Signalwege. Wichtig für die Einordnung: Diese Übersichtsarbeit bezieht sich auf die Haut – nicht auf die Mundhöhle oder das Zahnfleisch, auch wenn ähnliche Wirkprinzipien diskutiert werden.

Weiterführende Informationen findest du im Beitrag zu ganzheitlichen Strategien gegen Parodontitis.

Rotes Licht in der Hautpflege: Kollagen und Anti-Aging.

In der Hautpflege ist rotes LED-Licht fester Bestandteil vieler Anti-Aging-Anwendungen, etwa in Form von LED-Gesichtsmasken. In Untersuchungen wurde beobachtet, dass die Bestrahlung mit rotem Licht mit einer angeregten Kollagenproduktion einhergehen kann, was mit einem strafferen Hautbild und einer Reduktion feiner Linien in Verbindung gebracht wird. Auch eine verbesserte Durchblutung der Haut wird diskutiert. Diese Effekte sind in der kosmetischen Forschung vergleichsweise gut dokumentiert – weshalb rote LED-Masken bei vielen Menschen zu einem festen Bestandteil der Pflegeroutine geworden sind.

Laborstudie zu Zahnfleischzellen: photodynamische Reaktion, nicht reines Licht allein.

Eine Studie von Minagawa et al. (2023) untersuchte den Effekt von hochintensivem rotem LED-Licht auf menschliche Zahnfleischzellen (gingivale Fibroblasten) im Labor. Wichtig für die Einordnung: Das Licht wurde dabei nicht allein eingesetzt, sondern in Kombination mit Methylenblau, einem sogenannten Photosensibilisator – eine sogenannte photodynamische Reaktion. Unter diesen kontrollierten Laborbedingungen zeigte sich eine gesteigerte Produktion reaktiver Sauerstoffspezies, die mit einer verstärkten Zellwanderung und Wundheilungsfaktoren einherging. Diese Ergebnisse sind wissenschaftlich interessant, lassen sich aber nicht unmittelbar auf reines rotes Licht ohne zusätzlichen Photosensibilisator übertragen, wie es etwa in einer Zahnbürste vorkommt.


Laborstudie zu Stammzellen: Hinweise auf Laborebene, kein klinischer Nachweis.

Eine weitere Studie (Yamauchi et al., 2018) untersuchte isolierte Zahnhalteapparat-Stammzellen (aus extrahierten Zähnen gewonnen) im Labor. Bei einer Wellenlänge von 650 Nanometern zeigte sich unter Laborbedingungen eine gesteigerte Zellvermehrung sowie eine verstärkte osteogene Differenzierung, vermittelt über den ERK1/2-Signalweg. Das ist ein Hinweis auf ein zellbiologisch plausibles Wirkprinzip auf Laborebene. Es ist jedoch kein klinischer Nachweis dafür, dass rotes Licht bei Menschen mit Parodontitis Zahnfleisch oder Knochengewebe regeneriert. Dafür wären kontrollierte klinische Studien an Patientinnen und Patienten nötig, die bislang nicht in diesem Umfang vorliegen.


Was das für rotes LED-Licht in der Zahnpflege bedeutet.

Rotes LED-Licht ist ein wissenschaftlich plausibles und aktiv erforschtes Prinzip, mit vergleichsweise guter Evidenz in der Hautpflege und interessanten, aber überwiegend im Labor erzielten Ergebnissen im zahnmedizinischen Bereich. Professionelle Anwendungen in der Zahnarztpraxis, etwa als Ergänzung zur Parodontitis-Basistherapie, werden in eigenen klinischen Studien untersucht, eine ausführliche Einordnung dazu findet sich im vertiefenden Beitrag zu Photobiomodulation. Für Consumer-Produkte wie LED-Zahnbürsten gilt: Das rote Licht ist ein ergänzender, auf einem plausiblen Prinzip basierender Bestandteil einer modernen, mikrobiombewussten Mundroutine, aber kein Ersatz für die zahnärztliche Behandlung bestehender Erkrankungen. REPARODENT setzt dieses Prinzip in der Schallzahnbürste helloh! um, dort eingebettet in eine Routine aus Reinigung und bewusster Zahnfleischpflege.

Fazit.

Rotes LED-Licht ist gut erforscht, wenn es um Hautpflege geht, und ein aktives, vielversprechendes Forschungsfeld in der Zahnmedizin, vor allem als Ergänzung zu professionellen Behandlungen. Für die tägliche Mundpflege zuhause kann rotes Licht ein sinnvoller, ergänzender Bestandteil sein. Wer unter Zahnfleischbluten, Zahnfleischrückgang oder anderen anhaltenden Beschwerden leidet, sollte weiterhin zahnärztlichen Rat einholen, statt allein auf Lichtanwendungen zu setzen.

Quellen:

 

Hernández-Bule ML, Naharro-Rodríguez J, Bacci S, Fernández-Guarino M. Unlocking the Power of Light on the Skin: A Comprehensive Review on Photobiomodulation. International Journal of Molecular Sciences. 2024;25(8):4483. (Übersichtsarbeit zur Dermatologie/Hautpflege) https://doi.org/10.3390/ijms25084483

Minagawa E, Taguchi Y, et al. Photodynamic reactions using high-intensity red LED promotes gingival wound healing by ROS induction. Scientific Reports. 2023;13:17081. (In-vitro-Studie an Zahnfleischzellen, rotes Licht + Photosensibilisator Methylenblau) https://doi.org/10.1038/s41598-023-43966-2

Yamauchi N, Taguchi Y, Kato H, Umeda M. High-power, red-light-emitting diode irradiation enhances proliferation, osteogenic differentiation, and mineralization of human periodontal ligament stem cells via ERK signaling pathway. Journal of Periodontology. 2018;89(3):351–360. (In-vitro-Studie an isolierten Stammzellen, kein klinischer Patientennachweis) https://doi.org/10.1002/JPER.17-0365


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